Biofiction

The role of Design in a biotechnological future.

„A weird and wonderful world is shaping around us. Genetics, nanotechnology, synthetic biology, and neuroscience are all challenging our understanding of nature and suggesting new design possibilities at a level and scale never possible before. (…) we can see that a revolution is well underway. It is no longer about designing things around us but life itself from microorganisms to humans, yet as designers we devote very little time to reflect on what this means.“ 

(Dunne & Raby)

Promotionsvorhaben im Rahmen meiner Tätigkeit am Center for Responsible Research and Innovation.

Hintergrund und Framing

Seit der Entwicklung der ersten Werkzeuge durch den homo rudolfensis vor mehr als 2 Millionen Jahren entwickelt und gestaltet der Mensch Hilfsmittel, mit denen er sich der Natur anpasst, indem er sie für sich nutzbar macht. Von den ersten Steinwerkzeugen bis hin zum Computer hat der Mensch kontinuierlich die Umwelt verändert und sich im co-evolutiven und interdependenten Austausch mit ihr weiterentwickelt. Nun stehen wir vor dem nächsten evolutionären Schritt: Neue Errungenschaften in der Biotechnologie, insbesondere im Bereich der Genetik und der Synthetischen Biologie, ermöglichen uns, in die Evolution von Organismen, Pflanzen und schlussendlich in die des Menschen einzugreifen und „das Lebendige“ in ganz neue Richtungen zu lenken. Gleichzeitig stehen wir vor Herausforderungen und Konsequenzen bisheriger Eingriffe.

Dieses historische Momentum der Evolution stellt, so die Kernthese dieser Arbeit, auch die Designdisziplin vor neue Herausforderungen. Durch die sozioökologischen Herausforderungen, die zunehmend durch anthropogene Umweltveränderungen und humane Krisen ausgelöst werden, unterliegt das populäre Image der Designdisziplin, wie es aus dem Boom der Nachkriegsjahre entstanden ist, zunehmend einem Paradigmenwechsel. An ihrer Stelle erleben neue Design-Ansätze einen Aufschwung: Ausgehend vom „Radical-„ und „Social Design“ der 1970er Jahre entfalten sich facettenreiche Designansätze wie Participatory Design, Design for (public) Debates, Design Fiction und viele mehr. Diese Ansätze haben alle das gleiche Ziel, nämlich: zukunftsorientiert zu handeln und bewusst Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Akteuren aus Gesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu suchen und zu gestalten.

Besonderer Fokus liegt in diesem Forschungsvorhaben auf der Wissenschaft. Das Potenzial der zuvor skizzierten zukunftsgerichteten Designmethoden wird, auch jenseits der Wissenschaftskommunikation, zunehmend in (natur-) wissenschaftlichen Organisationen erkannt. So entstehen im Design Schnittstellen zur Sozialwissenschaft, Technologieentwicklung und Naturwissenschaft. Dass diese Schnittstellen gesucht und geschaffen werden, liegt daran, dass Fragen nach gesellschaftlicher Akzeptanz, der Beteiligung unterschiedlicher Stakeholder, neuen Formen von Wissenstransfer und vor allem Fragen nach der Gestaltung technologischer Zukünfte in der Wissenschaft an Dringlichkeit gewinnen.  

In diesem interdisziplinären Kontext fokussiert das hier dargestellte Dissertationsvorhaben auf die moderne Biotechnologie und ihre rasante Entwicklung. Wir steuern auf eine biotechnologische Revolution zu, die nicht nur ethische Fragen mit sich bringt, sondern auch das Naturverständnis und die Akzeptanzbereitschaft herausfordert. Insbesondere das genmodifizierende Werkzeug CRISPR, stellt das Potenzial wissenschaftlicher Designmethoden vor neue Fragen. Dabei geht es nicht nur um Gestaltungsfragen, wie zum Beispiel neue Organismen oder Nutzpflanzen aussehen und funktionieren können. Ein hohes Potenzial liegt auch in der Übersetzung technologischer Innovationen auf molekularbiologischer Ebene in verständliche Alltagstechnologien. Aus diesem Potenzial entsteht die Notwendigkeit eines neuen Naturverständnisses, das es zu diskutieren und bedarfsorientiert weiterzuentwickeln gilt.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Dissertationsvorhaben, inwiefern und unter welchen Vorraussetzungen Designmethoden im Bereich der Biotechnologie angewendet und weiterentwickelt werden können um „sozial robuste“ Zukunftsvisionen zu entwickeln. Ausserdem erforscht es, inwieweit die „Verwissenschaftlichung von Design“ diese Innovationsprozesse unterstützt. 

Diese Kurzbeschreibung ist lediglich als Ausblick zu verstehen. Das ausführliche Dissertationsvorhaben befindet sich aktuell in der Bewerbungsphase und bleibt vorerst unter Verschluss.

Updates dazu auf Instagram @studioluenn.